Europa-Jugendbauernhof in Deetz feiert beim Hoffest sein 15-jähriges Bestehen
Größter Geburtstagswunsch ist der Erhalt der Einrichtung
Das traditionellen Hoffest des Europa-Jugendbauernhofs in Deetz bot am Sonnabend den passenden Rahmen zur Feier eines kleinen Jubiläums: Auf den Tag genau vor 15 Jahren erfolgte die
Gründung der Einrichtung. Maßgeblichen Anteil daran hatte Margrit Weimeister. Bis heute ist die 78-Jährige Vorsitzende des gleichnamigen Trägervereins.
Von Daniela Apel aus ANHALT-ZERBSTER NACHRICHTEN Volksstimme v. Montag, 19. September 2011
Deetz. „Ich weiß nicht, ob ich es nochmal machen würde“, gesteht Margrit Weimeister. Viele Hürden gab es beim Aufbau des Europa-Jugendbauernhofs zu überwinden. Das kostete Kraft.
Doch mit den Helfern an ihrer Seite glückte das Vorhaben. Die am 17. September 1996 gegründete Einrichtung entwickelte sich zum anerkannten Schullandheim mit angegliedertem
landwirtschaftlichen Zweckbetrieb für die Kinder- und Jugendarbeit. „Wir wollten hier auf dem Hof das Interesse der jungen Generation zur landwirtschaftlichen Tätigkeit in allen Variationen
wecken“, erinnert sich die 78-Jährige in ihrer Rede, wie das Projekt damals Gestalt annahm. Ausschlaggebend war der mit der deutschen Wiedervereinigung einhergehende Wandel
der wirtschaftlichen Verhältnisse, der auch die Landwirtschaft vor völlig neue Aufgaben stellte. 1992 hob Margrit Weimeister deshalb mit Gleichgesinnten den Landesverband der
Nebenerwerbslandwirte Sachsen-Anhalt aus der Taufe, dem sie selbst bis 2001 vorstand und der diesen Prozess begleitete und unterstützte. Unter anderem geschah das mit der Gründung
des Jugendbauernhofs in Deetz, der 2001 an einen Verein übertragen wurde. Grund war, dass der Verband eine Interessensvertretung ist, die vom Finanzamt nicht als gemeinnützig
eingestuft werden kann, erklärt Margrit Weimeister. So bringt sie sich seither als Vorsitzende des Trägervereins ein. Geleitet wird die Einrichtung von ihrem Sohn Ulrich, der am Sonnabend
die Gelegenheit nutzt, um seiner Mutter Dank und Anerkennung für das Geschaffene zu zollen. Blickt Margrit Weimeister zurück, ist sie stolz auf „15 Jahre Ehrenamt“ und darauf, wie es
gelang, „ohne Geld so viel zu machen“. Dabei lässt sie die Unterstützung nicht unerwähnt, die ihnen zuteil wurde und hoffentlich nicht abreißt. „Wir brauchen finanzielle Hilfe“, denkt
die 78-Jährige vor allem an die Betriebskosten. „Wir suchen so etwas wie einen Schirmherrn, der partnerschaftlich mit uns zusammenarbeitet, um den Fortbestand des Jugendbauernhofs
zu garantieren“, bemerkt Ulrich Weimeister am Rande der Veranstaltung. Auch seine Mutter wünscht sich für die Zukunft, „dass die ganze Arbeit nicht umsonst war und wir das Haus erhalten
können“. Nicht zuletzt hat sie da das „engagierte Team“ im Blick. Zehn bis elf Leute sind auf dem Hof über verschiedene Maßnahmen beschäftigt – darunter zwei junge Frauen, die dort
ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Auf der Wunschliste von Margrit Weimeister steht außerdem, dass Landkreis und Land gerade auch den multikulturellen Beitrag der Einrichtung
„zu schätzen wissen und anerkennen und uns unterstützen“. Bereits seit Anfang an führt der Jugendbauernhof mit seinem Partner „Pro International“ alljährlich Workcamps mit
ausländischen Studenten durch. Bislang seien gut 1000 junge Leute aus aller Herren Länder in Deetz zu Gast gewesen.
Aus Taiwan, Japan, Südkorea, Russland sowie der Ukraine und der Türkei sind die 14 Jugendlichen des aktuellen Durchgangs. Es ist der vierte und letzte in diesem Jahr. Auch sie packen
nicht nur tatkräftig bei den anfallenden Arbeiten mit an. Bei Ausflügen erkunden sie die nähere und weitere Umgebung und nehmen ihre Eindrücke schließlich mit in die Heimat.
Auf diesen positiven Aspekt für die Region weist die Vereinsvorsitzende genauso hin wie auf die über die Grenzen der Nationalitäten und Glaubensrichtungen hinweg entstehenden
Freundschaften. „Wir tragen damit zur Völkerverständigung bei.“ Ulrich Weimeister, der kürzlich seine Ausbildung zum Erzieher erfolgreich abgeschlossen hat, kann noch eine freudige
Nachricht verkünden: Endlich fließen die Fördermittel aus dem europäischen Leader-Programm, die die Einrichtung für das mit 57 000 Euro veranschlagte Projekt „Lernort Jugendbauernhof“
beantragt hat. Heute soll die Umbaumaßnahme an dem einstigen Stallgebäude beginnen, die unter anderem die Schaffung eines Seminarraums vorsieht. Auch das Ziel, eine „Arche-Hof“
für bedrohte Nutztierrassen zu werden, verfolgt der Jugendbauernhof weiterhin.
Breites Angebot
❍ Der Europa-Jugendbauernhof ist anerkanntes Schullandheim, Jugendherberge und landwirtschaftlicher Zweckbetrieb für die Kinder- und Jugendarbeit. Neben der offenen
Kinder- und Jugendarbeit werden internationale Workcamps, Weiterbildungsmaßnahmen sowie Projekte gegen Schulversagen und Schulabbrüche durchgeführt. Daneben umfasst die
Angebotspalette Ferien auf dem Bauernhof, Seniorenfreizeitbetreuung und die Vorstellung der 14 „Grünen Berufe“ für die Berufsfindung. Der Hof verfügt zudem über eine Pferdepension
und ein Heuhotel und ermöglicht die Storchennestbeobachtung per Kamera.

Ein besonderes Dankeschön ging an Hans-Joachim Scherz, der stets mit viel Herzblut die Ferienkinder betreut.
Ulrich Weimeister bezeichnete ihn als „unersetzliche Stütze“.

In seiner Rede würdigte Ulrich Weimeister das Engagement seiner Mutter Margrit,
die den Europa-Jugendbauernhof gegründet und aufgebaut hat.

Das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Deetz unter Leitung von
Günter Schmidt sorgte für die musikalische Umrahmung des Hoffestes.

Vor allem bei den Kindern sorgten die verschiedenen Hoftiere wie diese
Waldziege für leuchtende Augen. Fotos (4): Daniela Apel